Bayernhymne - Gott mit dir, du Land der Bayern (Entwürfe des Festzugs zur 700-Jahrfeier der Stadt München 1858)
Entwürfe des Festzugs zur 700-Jahrfeier der Stadt München 1858 

Die Geschichte der Bayernhymne

In der Website „bayernhymne-online.de“ wird in fast allen Texten Bezug genommen auf Ereignisse und Vorgänge in der Geschichte. Das folgende Kapitel gibt einen ergänzenden tabellarischen Überblick über die Geschichte der Hymne.

Die vier wichtigsten Daten der Hymnengeschichte:

1860Die Hymne wird gedichtet und komponiert von Öchsner und Kunz, in der Münchner Bürger-Sänger-Zunft zum ersten Mal in halböffentlicher Festveranstaltung am 15. Dezember 1860 gesungen.
1952Am 27. 11. beschließt der Bayerische Landtag einstimmig, dass das Öchsner-Kunz-Lied von 1860 zusammen mit der in Bonn bekannt gemachten Hymne der Bundesrepublik Deutschland zu lernen sei. In Sitzungsprotokoll und Presse wird das Lied „Bayernhymne“ genannt. Am 3. März 1953 beauftragt der Ministerrat, aus CSU und SPD gebildet, den Kultusminister, den Landtagsbeschluss auszuführen, und zwar mit dem Text von Öchsner.
1964Ministerpräsident Alfons Goppel ordnet an, bei offiziellen staatlichen Veranstaltungen im Freistaat Bayern, bei denen die deutsche Nationalhymne gespielt wird, auch das Öchsner-Kunz-Lied erklingen zu lassen. In einer Bekanntmachung am 29. Juli 1966 wird das Lied offiziell „Bayernhymne“ im Sinne von Staatshymne des Freistaats genannt. Allerdings empfiehlt Goppel, ohne Abstimmung im Ministerrat oder Diskussion im Landtag, als Text den Lutz-Text (siehe Kapitel Textvergleiche!) zu verwenden.
1980Am 18. Juli, macht Ministerpräsident Franz Josef Strauß bekannt, daß der Text der Staatshymne des Freistaats weiterhin der 1952/53 von Landtag und Ministerrat beschlossene Öchsner-Text (mit zwei geringen Abweichungen vom Öchsner-Text) ist.

Die Vorgeschichte der Hymne

… beginnt mit der Schaffung des neuen Bayern, nach Säkularisation und Mediatisierung vor allem in Schwaben und Franken, und der Erhebung Bayerns zum Königreich 1806.
Über die Vorgeschichte mit Texten und Noten der wichtigsten Hymnenentwürfe und der Nationalhymne des Königreichs Bayern: Johannes Timmermann, Der Wettkampf um die Staatshymne des Königreichs Bayern (mit CD) in: Johannes Timmermann: Das erste Münchner Stadtgründungsfest vor 150 Jahren 1858: Festprogramm, Festzug und der Wettkampf um eine Hymne für Bayern. Verlag E. Strumberger, München, 2008.

Hymne für das Königreich Bayern von Vogler
Hymne für das Königreich Bayern von Vogler
Patriotistisches Volkslied für Bayern von Vogler
Patriotistisches Volkslied für Bayern von Vogler
Nationalhymne des Königreichs Bayern
Nationalhymne des Königreichs Bayern
18061. Januar: Bayern wird Königreich. Abt Georg Joseph Vogler komponiert eine Hymne für das Königreich Bayern „Heil, unserm König! Ewiger, umstrahle ihn mit Macht…“ und das patriotische Volkslied für Bayern „Weiss glänzen die Felder…“, „Blau färbt sich die herrliche Traube…“
Die Vogler-Hymne setzte sich nicht durch. Robert Münster, Bayerische National- und Königshymnen von 1800 bis 1901 (In: Festschrift Hans Schneider, München: Ernst Vögel, 1981) zählt neunzig Hymnen und hymnenähnliche Lieder für das Königreich Bayern auf, die in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek zu finden sind.
1826In einem Liederbuch erscheint die „Nationalhymne des Königreichs Bayern“ „Heil unserm König, Heil!“ zur Melodie der englischen Königshymne „God save Great George, our King“, die auch in Preußen und anderen Staaten als Hymnenmelodie verwandt wird. Autor ist unbekannt. Die Hymne wird auch nach dem Ende des Königreichs noch von Monarchisten als Hymne Bayerns benutzt. Königliche Anordnungen gibt es nur für die Hymnenmusik, nicht für den Text, nämlich für die Musikkapellen der Armee, bei welchen Gelegenheiten die Musik erklingen soll.
1852Am 14. Januar fordert König Maximilian II. seinen Minister Theodor Zwehl auf, ein bayerisches Nationallied mit Hilfe eines Preisausschreibens schaffen zu lassen.
1855In der Münchner Bürger-Sänger-Zunft trägt Michael Öchsner sein Gedicht vor „Wo das Kreuz erglänzt auf der Zugspitz Höh’n“, das auf die Melodie des Dachstein-Liedes zu singen ist und den Charakter einer Nationalhymne hat. (Das Dachstein-Lied ist heute, 2012, Hymne des österreichischen Bundeslandes Steiermark).
1858König Maximilian II. genehmigt die 700-Jahrfeier in München, verlangt aber, dass bei einer Festveranstaltung im Odeon Entwürfe für eine neue bayerische Volkshymne vorgetragen werden. Die Dichter Friedrich Beck, Leonhard Wohlmuth und Franz Trautmann und die Komponisten Franz Lachner, Joseph Hartmann Stuntz und Christian Seidel schaffen die Entwürfe, die am 26. 9. vorgetragen werden. Alle drei fallen beim König durch. Aber das Beck/Lachner-Lied „Bayern, mein Heimatland“, findet Aufnahme in Liederbücher, erreicht jedoch nicht die Beliebtheit des Öchsner-Kunz-Liedes.

Geschichte der Volkshymne 1860 -1945

Das Entstehungsjahr sowie wichtige Ereignisse der Volkshymnengeschichte gerieten nach Öchsners Tod (1893) und wesentlichen Änderungen im Charakter der Bürger-Sänger-Zunft allgemein in Vergessenheit. Sogar die Instrumentalsätze von Kunz gingen verloren. Trotz großer Bemühungen einzelner Autoren, über die Geschichte der Volkshymne zu informieren, hat kein einziger von ihnen Zugang zum Archiv der Münchner Bürger-Sänger-Zunft und anderen wichtigen Archiven, vor allem dem Königlichen Hausarchiv gehabt.

Erst 1994 entdeckte Johannes Timmermann, der Archivar der Bürger-Sänger-Zunft, die Urnoten der Hymne sowie weitere Dokumente im Zunftarchiv, bei Nachfahren des Dichters und in vielen Archiven und Bibliotheken in Europa. Keine einzige Darstellung aus der Zeit zwischen 1900 und 1995 gibt die Geschichte der Volkshymne in wesentlichen Teilen richtig wieder. Auch nach den ersten Veröffentlichungen aus Timmermanns Quellenforschungen halten sich hartnäckig zum Teil erhebliche Irrtümer über die Geschichte der Bayernhymne (siehe Kapitel Falschdarstellungen!).

186015.12. Uraufführung des Öchsner-Kunz-Liedes im 20. Stiftungsfest der Münchner Bürger-Sänger-Zunft. Kunz widmet das Lied seiner Zunft mit der Auflage, dass es bei jedem Stiftungsfest zu singen sei. Das Lied wurde sofort „bayerische Volkshymne“ genannt (Siehe Biographien Öchsner und Kunz sowie im Kapitel Falschdarstellungen „Entstehungsjahr der Hymnenmelodie“!)
1861Am 8. Mai wird das Bayernlied mit vierstimmigem Männerchorsatz im Konzert der Bürger-Sänger-Zunft vorgetragen. Der Komponist und Musikkritiker Max Zenger bespricht es in den Münchner Neuesten Nachrichten begeistert und erklärt das Lied zur kommenden bayerischen Volkshymne. Text und Noten hatte Öchsner bereits im Januar der Bayerischen Schulzeitung beigelegt. In Schulen und Vereinen (auch in Turn- und Schützenvereinen) findet das Lied rasche Verbreitung.
1862am 26. Mai: Die Bayernhymne in der Verfassungsfeier: Siehe: Kunz-Biographie, eine politische Aktion von Kunz und der Bürger-Sänger-Zunft.
1870Nach den schweren Schlachten bei Orleans vor allem der bayerischen Truppen gegen die französischen, die Paris vor der preußischen Belagerung retten wollten, wird von der Armeemusik beim Dankgottesdienst in der Kathedrale von Orleans die neue Volkshymne gespielt.
1871Am 15. Mai feiert die Münchner Schuljugend zusammen mit Stadtspitze, Landtagsvertretern, Regierung und tausenden Bürgern ein großes Friedensfest in den neuen Isaranlagen beim Stadtgärtner Flaucher, mit Pflanzung einer Friedenseiche. König Ludwig II. genehmigt das Fest mit den ihm eingereichten Redetexten und Liedern. Unter den genehmigten Liedern ist auch die neue Volkshymne, die zum Pflanzen der Friedenseiche gesungen wurde.
Am 26. Juli 1871 findet auf dem Odeonsplatz die Siegesparade statt. An der Spitze der bayerischen Truppen reitet – sehr zum Ärger des Königs – der preußische Kronprinz, unter dessen Oberbefehl die Bayern kämpfen mussten. Am folgenden Tag versammeln sich auf den Paradetribünen die Münchner Männerchöre und bringen dem König, der am Fenster oben in der Residenz steht, eine Serenade dar mit der Volkshymne „Gott mit dir, du Land der Bayern“.
1892Prinzregent Luitpold ändert das ihm vorgelegte Programm zu den Feiern seines 70. Geburtstags. Er verlangt, die Eröffnung der Feier inmitten von Abordnungen aller Münchner Schulen. Bei dieser Eröffnungsfeier sollen die Kinder singen „Gott mit dir, du Land der Bayern“. Das Festprogramm von 1892 wird das Muster für alle vergleichbaren Feste mit offizieller Beteiligung von Vertretern des Königs. Die Königreichshymne bleibt das „Heil, unserm König, Heil“, aber dazu wird seit 1892 Öchsners Volkshymne gesungen, freilich nicht immer mit der Kunz-Melodie, sondern vielfach auch mit der in ganz Deutschland beliebten Melodie von Haydns Kaiserhymne.
1918Am 26. Mai finden die letzten Verfassungsfeiern des Königreichs statt. Am Schluss der Verfassungsfeier der Liberalen Partei in München wird nicht die Königshymne (wie bei allen übrigen Verfassungsfeiern) gesungen, sondern die Volkshymne. Das Öchsner-Kunz-Lied ist bei vielen Konservativen nicht beliebt, es ist die Hymne des liberalen Bürgertums.
1919Nach dem Ende der Monarchie wird die dritte, die Königsstrophe, in allen Liederbüchern getilgt. Da sich in Deutschland als deutsche Volkshymne (seit 1922 Nationalhymne) Haydns Kaiserhymne mit dem Hoffmann-von-Fallersleben-Text durchsetzt, wird der Öchsner-Text nur noch mit der Kunz-Melodie gedruckt und gesungen.
Der Freistaat Bayern erhält Verfassung und Wappen jedoch keine Hymne.
1933Im Hitler-Reich wird die Bayernhymne nicht verboten, aber in Liederbücher, vor allem Schulliederbücher, nicht mehr aufgenommen.

Geschichte der Staatshymne des Freistaats Bayern

1949Am 25.1. übergibt die US-Militärregierung in Bayern ihren Münchner Rundfunksender an die vom Landtag geschaffene öffentlich-rechtliche Anstalt Bayerischer Rundfunk. Rundfunkratsvorsitzender wird Alois Johannes Lippl, Intendant wird Rudolf von Scholz. Zum Sendeschluss wird das Öchsner-Kunz-Lied gespielt, das in vielen Häusern jetzt täglich zu hören ist. Der Singschulleiter Rudolf Kirmeyer übt das Lied in den Gesangssendungen des Rundfunks mit Kindern.
Im Frühjahr 1949 veröffentlicht der Verlag der Bayernpartei eine Bayernausgabe mit der Textneufassung von Joseph Maria Lutz (siehe Kapitel Textvergleiche!)
1950Am 28.7. erscheint das erste bayerische Schulliederbuch „Der junge Musikant“, von Rudolf Kirmeyer, der die Lieder in den Gesangs­sendungen im Rundfunk übt. Das Buch erscheint im wiederbegründeten bayerischen Staatsverlag. Einziges deutsches patriotisches Lied ist die Bayernhymne.
1952Der Landtag beschließt, dass die Bayernhymne in allen Schulen gelernt werden muss (siehe oben: Die vier wichtigsten Daten der Hymnengeschichte).
1956Am 13. März bringt Kultusminister Rucker (parteilos) im Kabinett Wilhelm Hoegner (SPD) die Hymnenbeschlüsse 1952/53 in Erinnerung und drängt darauf, dass in den Schulen endlich Landtags- und Kabinettsbeschlüsse beachtet werden.
1964
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Die Bayernhymne wird offiziell Hymne des Freistaats. (siehe oben: Die vier wichtigsten Daten!) Empfehlung des Lutz-Textes (s. oben 1949) durch den Ministerpräsidenten.
1980Entscheidung für den Öchsner-Text durch Franz Josef Strauß (s. oben Die vier wichtigsten Daten!).

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